Der Klassenlehrer

Der Klassenlehrer Waldorf-Klassenlehrerinnen und -lehrer begleiten eine Klasse in der Regel acht Jahre lang durch Malen und Zeichnen, durch Schreiben, Lesen und Rechnen, durch Singen und Flöten, durch Heimatkunde, Deutsch und Geschichte, durch Mathematik und Geometrie, durch Erdkunde, Biologie, Physik und Chemie. Kurz: Waldorflehrer unterrichten als Klassenlehrer im Hauptunterricht (in den Klassen 1-8) so gut wie alle Fächer außer Fremdsprachen, Sport, Eurythmie, Musik, Religion und handwerkliche Fächer wie Werken, Gartenbau und Handarbeit. Der Hauptunterricht Der Hauptunterricht umfasst täglich die ersten beiden Stunden. In ihm behandelt der Klassenlehrer über mehrere Wochen hinweg ein Stoffgebiet. Die Schüler können sich auf diese Weise intensiv damit verbinden. Sie haben genügend Zeit, um die verschiedenen Phasen des sinnvollen Lernens zu durchlaufen: vom Wahrnehmen bis zum Verstehen, vom Üben bis zum Verarbeiten. Junge Menschen fühlen sich nicht angesprochen von bloßer Wissensvermittelung. Waldorflehrer bemühen sich daher, den Unterrichtsstoff niemals abstrakt oder rein intellektuell zu vermitteln. Die Schüler nehmen auf, werden tätig, hören zu, erzählen nach, dürfen ernst und heiter sein. In einer Unterrichtsstunde dieser Art wird ein Waldorflehrer nicht alles bis zum Ende erklären, sondern bewusst wichtige Fragen offen lassen. Bis zum nächsten Tag können die offenen Fragen so weiterwirken, dass sie dann mit tieferer Einsicht von den Schülern neu aufgegriffen werden. Lehrer und Schüler erarbeiten und erleben die Lerninhalte künstlerisch: Bewegung, Farbe, Klang und Ton, Melodie, Reim und Rhythmus durchdringen und beleben jedes Thema. So entstehen lebendige Begriffe, die „mitwachsen“, sich mit der Reifung der Kinder verändern und lebenslanges Lernen vorbereiten. Viele Kinder leiden unter der Reizüberflutung, der sie heute ausgesetzt sind: Vor allem optische und akustische Erfahrungen stürmen ungefiltert auf sie ein und stumpfen ihre feinen Sinne ab. Im Gemüt der Kinder entwickelt sich häufig als Gegenreaktion wachsende Aggressivität. Deshalb bemühen sich Waldorflehrer, die Schüler Töne, Geräusche, Farben, Düfte und Naturstimmungen in all ihren Feinheiten erfahren zu lassen. So können sich die Sinne der Kinder gesund entfalten. Besondere Förderung Die Gesundheit der Kinder ist den Waldorfschulen ein besonderes Anliegen. Unser Förderbereich begleitet und unterstützt die Schüler und Schülerinnen und berät Eltern und Kollegium. Im Einzelfall helfen Heileurythmie, Sprachgestaltung oder therapeutisches Malen, körperliche und seelische Hemmnisse zu überwinden. Wenn Schüler Lernschwierigkeiten haben, erteilen Waldorflehrer nach Möglichkeit Förderunterricht in Kleingruppen.