Sprache und Sprechen

Die Fremdsprachen
Schon in der ersten Klasse werden zwei Fremdsprachen unterrichtet: Englisch und Russisch. In diesem Alter fällt es den Kindern leicht, sich in eine fremde Sprache einzufühlen, denn noch stehen ihnen ihre Nachahmungskräfte zur Verfügung: Indem sie Verse und Reime nachsprechen und in Märchenspiele eintauchen, erleben sie die Sprache als reines Lautgeschehen in Tonfall, Musikalität und Rhythmus. Auf eine wörtliche Übersetzung verzichten die Waldorflehrer deshalb zunächst. Die Schüler lernen hörend, spielend, sprechend und singend, sich in den Klang und den Gestus der Sprachen einzufühlen und schulen ihr Ohr für fremde Laute.

Etwa ab der vierten Klasse entwickelt sich daraus dann der gezielte Aufbau der Grammatik und des Wortschatzes. Nun liegt der Schwerpunkt auf der Sprachstruktur. In der Oberstufe greifen die Sprachlehrer fast ausschließlich auf Originaltexte ausländischer Autoren zurück.

Sprache als künstlerischer Ausdruck   - Das Theaterspiel
Heranwachsende junge Menschen erleben sich gebunden an ihre Bewegungsgewohnheiten, an ihr Temperament und an ihre Gefühle. Sie empfinden sich vielfach gehemmt und unfrei.

Im Theaterspiel haben die Jugendlichen die Möglichkeit, sich von allen Hemmungen und Beschränkungen zu befreien: Hier dürfen sie anders sein, einen fremden Charakter darstellen. An den verschiedenen Charakteren eines Theaterstückes erleben sie eine Fülle und Vielfalt menschlichen Lebens, die ihnen im Alltag so nicht begegnen. Die Heranwachsenden entwickeln Verständnis für menschliche Schicksale.

In einem Alter, in dem die Fähigkeit zu Eigenwahrnehmung und Selbstkritik noch nicht ausgebildet ist, setzt ein Reifeprozess ein. Die Jugendlichen lernen an den Theaterrollen auch sich selbst besser kennen.

Für Heranwachsende ist es schwer, sich in ungewohnter Weise zu bewegen und zu sprechen - eben in einen anderen hineinzuschlüpfen, der möglicherweise reifer und erfahrener ist als sie selbst.

Schwer fällt es ihnen auch, mit der Sprache so aus sich herauszutreten, dass sie noch in der letzten Zuschauerreihe verstanden werden. Wenn sie sich aber überwunden haben, wenn sie es geschafft haben und die Aufführung gelungen ist, dann wächst neben dem Verständnis für andere Menschen auch das Selbstbewusstsein der jungen Schauspieler.